Redaktionsbesuch

 „Steige auf kein Motorrad“

Von Günther Herdin

Landkreis Dillingen/Wertingen Seine politische Karriere in den vergangenen zwei Jahrzehnten verlief steil bergauf. 1990 wurde er zum Bürgermeister von Buttenwiesen gewählt, seit knapp sechs Jahren ist er Landrat des Landkreises Dillingen. Dieses Amt möchte Leo Schrell von den Freien Wählern auch die kommenden sechs Jahre ausüben, wie er gegenüber unserer Zeitung erklärte.

Dazu notwendig ist die Mehrheit der Stimmen bei der Landratswahl am 14. März. Doch nicht nur über Politik sprach Schrell bei seinem Redaktionsbesuch, er gab im folgenden Gespräch auch einige Einblicke über alltägliche Dinge in seinem privatem Umfeld.

Herr Schrell, Sie sind ein bekennender Fußballfan des FC Bayern München. Wie hoch gewinnt Ihr Lieblingsklub am Wahlwochenende das Heimspiel gegen den SC Freiburg und wo verfolgen Sie an diesem Abend das Spiel?

Schrell „Der FC Bayern gewinnt gegen Freiburg mit 3:0. Leider kann ich das Spiel weder im Stadion noch am Bildschirm verfolgen. Ich bin nämlich an jenem Samstag zunächst auf der WIR in Dillingen unterwegs, dann besuche ich eine Veranstaltung der Elektroinnung in Höchstädt und am Abend das Jahreskonzert des Musikvereins Unterthürheim. Zwischen all diesen Terminen wird mir aber mein Fahrer das Ergebnis mitteilen.“

Am Tag danach findet im Landkreis Dillingen die Landratswahl statt. Blicken Sie dem 14. März genauso gespannt entgegen wie den Spielen des FC Bayern München?

Schrell „Ich bin sehr gespannt auf diese Wahl und vor allem auf die Wahlbeteiligung, die sich allerdings schwer einschätzen lässt. Eine Wahlbeteiligung von 50 plus wäre wünschenswert. Aus dem Wahlergebnis selbst kann ich den Zuspruch meiner bisherigen Arbeit ableiten. Ich erhoffe mir aus den Zahlen viel Motivation für die nächsten Jahre.“

Mit Frau Merkl-Zierer von den Grünen haben Sie nur eine einzige Gegenkandidatin. Hätten Sie sich mehr Mitbewerber gewünscht oder sind Sie froh, dass nur die Grünen den Mut haben, Sie herauszufordern?

Schrell „Ich bin schon froh, dass es nicht mehrere Kandidaten gibt. Ein harter Wahlkampf ist ja auch immer eine psychische und physische Anspannung und hat bisweilen Folgen für die nachfolgende Arbeit in den Gremien und Ausschüssen.“

Vor sechs Jahren sind Sie aus der CSU ausgetreten und zu den Freien Wählern gewechselt. Wie sich am Wahlabend herausstellte, war dies ein gelungener Schachzug. Gegen die Mitbewerber Georg Winter (CSU), Bernd Steiner (SPD) und Hermann Mack (REP) gingen Sie bereits im ersten Wahldurchgang als klarer Sieger hervor. War der Wahlkampf damals stressiger als heute?

Schrell „Ja, die Zeiten waren deutlich stressiger. Vor allem die psychische Anspannung war extrem hoch. Ich muss eingestehen, dass es schon ein Unterschied ist, ob man sich das erste Mal um das Amt eines Landrats bewirbt oder ob man als Amtsinhaber Wahlkampf betreiben kann. In diesem Jahr bin ich seit dem 19. Februar nahezu täglich unterwegs, um mit den Wählerinnen und Wählern ins Gespräch zu kommen.“

Während Ihrer sechsjährigen Amtszeit als Landrat gab es Höhen und Tiefen. An welche Dinge erinnern Sie sich ungern, an welche mit Freude?

Schrell „Ungern erinnere ich mich an die Demonstration um das Krankenhaus in Wertingen. Ich habe die Proteste damals aus subjektiver Sicht ungerecht empfunden, weil ich mich immer für den Erhalt des Wertinger Krankenhauses eingesetzt habe. Womöglich habe ich dies aber nicht richtig vermittelt. Der Höhepunkt meiner Amtszeit war sicherlich die Ulrich-Preis-Verleihung an Anne-Sophie Mutter im vergangenen Jahr in Dillingen.“

Rückläufige Steuereinnahmen bei den Kommunen lassen diesen in den kommenden Jahren wenig Spielraum für Investitionen. Manche müssen sich gar von lieb gewonnen Einrichtungen trennen. Die Stadt Augsburg zum Beispiel möchte ihr altes Stadtbad verkaufen. Wo werden bei den Bürgerinnen und Bürgern im Landkreis Dillingen die Daumenschrauben angezogen?

Schrell „Wir haben in den vergangenen fünf Jahren insgesamt 45 Millionen Euro an Investitionen getätigt und planen die gleiche Summe auch in den kommenden fünf Jahren zu investieren. Vorausgesetzt, es gibt keine zweite Weltwirtschaftskrise oder einen Bankencrash.“

Vor zwei Jahren gab es im Zusamtal mächtige Proteste gegen eine angedachte Schließung der Geburtshilfe am Wertinger Krankenhaus. Ist dieses Thema endgültig vom Tisch oder könnte es nach den Wahlen erneut auf die Agenda im Krankenhaus-Aufsichtsrat und im Kreistag kommen?

Schrell „Die Geburtshilfe am Wertinger Krankenhaus und deren Bestand hat mit der Landratswahl nichts zu tun. Da die Stadt Wertingen 75 Prozent bei Defiziten übernimmt, ist dies nahezu eine Bestandsgarantie. Sollten freilich irgendwann vom Gesetzgeber vorgegebene Mindestmengen an Neugeborenen unterschritten werden, dann können auch Landkreis und Stadt nichts machen.“

Ein Wort zur Verkehrsinfrastruktur im Landkreis. Wann sind die B16- Umfahrungen in Dillingen und Höchstädt Realität und wie beurteilen Sie als ehemaliger Bürgermeister von Buttenwiesen die Chancen, dass die Ortsteile Buttenwiesen und Lauterbach den Durchgangsverkehr endlich aus ihren Dörfern bekommen?

Schrell „In den nächsten vier Wochen werden wir den Spatenstich für die Umfahrungen in Dillingen und Steinheim vornehmen und versuchen, so schnell als möglich an die erforderlichen Gelder heranzukommen. Ich hoffe, dass wir bis 2014 diese Umfahrungen fertiggestellt haben. Derzeit noch schwer einschätzen lässt sich die Situation in Höchstädt. In Buttenwiesen haben Bürgermeister und Gemeinderat die richtige Entscheidung getroffen. Klar zu sagen, dass man die Trasse will und gleichzeitig aufzuzeigen, wie sie verlaufen soll, das war richtig und wichtig, um die Sache jetzt richtig ins Rollen zu bringen.“

Herr Schrell, was isst der Dillinger Landrat am liebsten und in welcher Kleidung fühlt er sich am wohlsten?

Schrell „Ich trage seit 30 Jahren im Dienst immer Anzug und Krawatte und habe schwarze Schuhe an. Eine Kombination mag ich nicht. Zu Hause fühle ich mich in Jeanshose und mit einem T-Shirt bekleidet am wohlsten. Bei entsprechenden Anlässen ziehe ich auch eine Lederhose und eine Trachtenjacke an. Zum Beispiel beim Oktoberfest in Pfaffenhofen.“

Wohin geht heuer die nächste Urlaubsreise?

Schrell „Das ist noch offen. Ich würde ja mal gern im August nach Schweden oder woanders hin in den hohen Norden reisen. Aber da macht meine Frau noch nicht mit. Sie bevorzugt südlichere Gegenden. Deshalb könnte es vielleicht auf die Toscana oder die Provence hinauslaufen.“

Wie stehen die Chancen, dass es in der nächsten Saison ein Bundesliga-Derby zwischen dem FC Bayern München und dem FC Augsburg gibt?

Schrell „Ich hoffe sehr, dass es zu einem Derby FCA gegen die Bayern in der 1. Liga kommt. Als Bayer drücke ich aber auch dem 1. FC Nürnberg die Daumen, damit dieser in der höchsten Spielklasse verbleibt.

Verraten Sie uns Ihre Lieblingsessen und Ihr Lieblingsgetränk?

Schrell „Weil meine Frau toll kocht, schmeckt alles gut. Ein Steak vom Rind und dazu ein Salat, das hat schon etwas. Dazu ein guter Wein oder - je nach Anlass - ein frisches Bier sind nicht zu verachten.“

Viele Jahre lang waren Sie als Betreuer und Trainer bei der Fußballjugend tätig. Auch noch während Ihrer Zeit als Bürgermeister von Buttenwiesen. Vermissen Sie diese ehrenamtliche Arbeit?

Schrell „Wenn man 19 Jahre Mannschaften in Unterliezheim und Höchstädt betreut hat, dann fehlt natürlich etwas. Mir hat diese Zeit viel gegeben. Ich möchte sie auf keinen Fall missen.“

Wie sieht es mir Ihrer persönlichen Mobilität aus. Fahren Sie lieber im Auto, mit dem Motorrad oder dem Fahrrad?

Schrell „Das Auto ist für mich oft Mittel zum Zweck. Es ist auch mein Arbeitsplatz. Da habe ich zwei Telefone und ein Diktiergerät und kann manches erledigen, was ich sonst im Büro tun müsste. Obwohl ich einen Motorradführerschein besitze, steige ich nicht auf ein solches Gefährt. Mir ist dies einfach zu gefährlich. Ich habe in jungen Jahren mitbekommen, wie zwei gute Bekannte auf dem Motorrad ums Leben gekommen sind. Das vergisst man nicht. Meinen Söhne erhalten von mir jede Unterstützung, doch nicht für das Motorradfahren. Zum Glück haben sie dafür wie ihr Vater kein Interesse. Radeln macht natürlich in der Freizeit viel Spaß. In der Schönwetterperiode von April bis September lege ich etwa 1000 Kilometer zurück.“

Zurück zum 14. März. Mit welchem Wahlergebnis wären Sie am Abend dieses Tages zufrieden?

Schrell „Ich hoffe auf einen überzeugenden Vertrauensbeweis für meine Arbeit. Auf Prozente lege ich mich auch angesichts der schwer einzuschätzenden Wahlbeteiligung nicht fest.“

Donau Zeitung vom 06.03.2010